Saturday, August 30, 2025

Das Anerkennungs-Dilemma

Ich halte das nicht mehr aus. Er versteht mich einfach nicht. Er versucht nicht einmal, auf meine Bedürfnisse einzugehen. Je länger ich mit ihm zusammen bin, desto klarer wird mir, dass er einfach so ist und immer so bleiben wird. Ich habe schon alles versucht, aber er bewegt sich keinen Millimeter. Er ist ein Narzisst, der sich nur um sich selbst dreht.“

So klingt es heute in unzähligen Gesprächen unter Freundinnen, Coachings und in Therapiesitzungen. Noch vor zwanzig Jahren hätte niemand diese Sätze formuliert, heute sind sie weit verbreitet. Als kleines Experiment habe ich die KI gebeten, diese Klage zu datieren. Die Antwort war eindeutig: „Diese Art von Klage ist typisch 2020er.“ Schauen wir genauer an, was dahinterstecken könnte.

Wir leben in einem Umfeld, das viel Bestätigung spendet. Kinder werden gelobt, wenn sie Regeln befolgen, und statt auf ihren Schwächen herumzureiten, werden ihre individuellen Stärken betont. Beim Halbmarathon gilt jeder Finisher als Sieger und bekommt eine Medaille. Im Mitarbeitergespräch erhalten wir Kritik nach dem Sandwichprinzip: immer eingepackt zwischen mindestens zwei Komplimenten. Und auf Social Media sammeln wir fleißig Likes. Immer wieder wird uns vermittelt, wie großartig und einzigartig wir sind.

Und dann kommen wir nach Hause. Dort läuft es anders. In der Beziehung bekommen wir bei weitem nicht die Bestätigung, die wir uns erhoffen. Unsere Partnerin kann oder will nicht immer unsere Cheerleaderin sein. Das auszuhalten ist schwer, gerade weil wir es nicht gewohnt sind.

Anstatt bei uns selbst zu beginnen, suchen wir die Ursache für dieses Problem beim anderen. Wenn sie mich nicht genug lobt und nicht immer wunderbar findet, muss das daran liegen, dass sie mich nicht versteht. Und weshalb es zu wenig um mich und mein Ego geht, ist auch klar: Weil sie sich nur um sich selbst dreht. Und weil wir inzwischen alle schon den einen oder anderen Psychologie-Podcast gehört haben, ist das Wort „Narzisst“ schnell zur Hand.

Natürlich ist dieses Bild überzeichnet. Aber die Tendenz ist unbestritten – nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern in jedem von uns: 

Da wir in einer Welt leben, die unseren Drang nach Anerkennung ständig nährt, ist der Aufprall im Beziehungsalltag umso härter. 

Ich schlage zwei Wege vor, um dem entgegenzuwirken. 

Erstens dürfen wir uns auf einen Weg des Wachstums begeben. Raus aus einer Abhängigkeit von der Bestätigung anderer, hin zu einer selbstbestätigten oder noch besser einer gottbestätigten Identität. Eine selbstbestätigte Identität bedeutet, dass mein Selbstbild nicht an der Anerkennung anderer hängt, sondern aus eigenem Zuspruch und innerer Gewissheit lebt. Und mit einer gottbestätigten Identität meine ich, dass das Selbstverständnis eines Menschen nicht allein auf menschlicher Anerkennung beruht, sondern von Gott bestätigt und getragen ist.

Zweitens lohnt es sich, dem anderen das zu schenken, was wir uns selbst wünschen. Nicht nur du sehnst dich nach mehr Bestätigung von deinem Partner – er sehnt sich wahrscheinlich genauso nach deiner. Wir können nur begrenzt beeinflussen, wie wir behandelt werden. Aber wir haben es in der Hand, wie wir unseren Partner behandeln. Wenn beide anfangen, einander die Anerkennung zu geben, die sie selbst gern hätten, entsteht etwas Gutes.

Next Level für deine Beziehung
Mach deinem Gegenüber heute ein ernst gemeintes Kompliment.


Quelle: 
FamilyFive - der Paarblog 


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